Gynäkologische Untersuchung

 

 

 

 

Brustuntersuchung

Zu Beginn wird die Brust bei stehender Patientin betrachtet (Inspektion), zunächst mit herabhängenden, danach mit erhobenen Armen. Dabei achtet man auf:

  • Form und Größenunterschiede 
  • Hautveränderungen (Einziehungen, Vorwölbungen, Rötung, Ödem)
  • Veränderungen der Mamille (Einziehungen, Ekzem, Absonderungen)

Bei der anschließenden Tastuntersuchung (Palpation) wird die Brust systematisch abgetastet, z.B. spiralförmig von außen nach innen oder vom äußeren Rand in geraden Linien bis zur Brustwarze. Dann wird durch leichten Druck auf die Perimamillarregion geprüft, ob Flüssigkeit aus der Brustwarze austritt. Anschließend werden die Lymphknoten in der Achselhöhle abgetastet.

Auffällige Befunde sind:

  • Tastbarer, unscharf begrenzter Knoten
  • Hauteinziheung oder -vorwölbung
  • neu auftretende Größenungleicheit der Brüste
  • Haut zieht sich beim Zusammenschieben über dem getasteten Tumor ein (sog. Jackson Phänomen) 
  • Orangenhaut, d. h. schrumpelige Haut über dem Tumor
  • eingezogene Brustwarze, Mamillensekretion 

Um die Lokalisation von Veränderungen angeben zu können, wird die Brust grob schematisch in vier Quadranten eingeteilt (oben/innen, oben/außen, unten/innen und unten/außen).  Genauer ist, die Lokalisation entsprechend dem Ziffernblatt der Uhr mit Abstande zur Mamille anzugeben, z.B. 3 Uhr/2 cm Mamillenabstand.

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Spekulumuntersuchung

Für die gynäkologische Untersuchung wird die Patientin auf dem gynäkologischen Stuhl in sog. Steinschnittlage gelagert. Hierbei sind die Beine etwas angewinkelt und nach beiden Seiten weit geöffnet und durch eine schalenförmige Halterung für die Knie gehalten.

A zweiblättriges Spekulum (1: vorderes Blatt, 2: hinteres Blatt), B Entenschnabelspekulum
A zweiblättriges Spekulum (1: vorderes Blatt, 2: hinteres Blatt), B Entenschnabelspekulum

Bei der Spekulumuntersuchung wird ein angewärmtes Spekulum (lat. Spiegel) in die Scheide eingeführt. Dadurch wird die Vagina entfaltet und ermöglicht die Betrachtung der Vaginalwand und der Portio. Meistens wird ein zweiblättriges Spekulum verwendet. Hier wird zuerst das hintere rinnenförmige Blatt, dann das vordere flache Blatt in die Scheide eingeführt. Das zweiblättrige Spekulum bietet eine bessere Sicht, erfordert aber eine Assistenz, weshalb manchmal auch ein selbsthaltendes, sog. Entenschnabelspekulum verwendet wird.

Im Rahmen der Spekulumuntersuchung werden meistens Abstriche entnommen:

 

Mikrobiologischer Abstrich: bei Verdacht auf eine Infektion der Vagina wird Vaginalsekret mit einem sterilen Watteträger zur Erregerbestimmung in ein Kulturmedium gegeben. Zur sofortigen Orientierung kann zusätzlich ein Nativpräparat angefertigt werden. Hierzu wird Vaginalsekret mit einem Tropfen Kochsalzlösung auf einen Objektträger gegeben, mit einem Deckglas abgedeckt und mikroskopiert. Im Normalfall sind Vaginalepthelzellen und Döderlein-Milchsäurebakterien sichtbar.

Zytologischer Abstrich: zur Früherkennung von Veränderungen am Gebärmutterhals wird Zellmaterial mit einem Watteträger bzw. einem Bürstchen von der Portiooberfläche und aus dem Zervikalkanal gewonnen, auf einem Objektträger ausgestrichen und in alkoholischer Lösung fixiert. Im Labor werden die Zellen gefärbt und anhand ihres Aussehens bestimmten Gruppen zugeordnet. Je nach Grad der Zellveränderung unterscheidet man die Klassen I bis V: 

  • pap I und pap II: Unverdächtiger Befund bzw. mäßig entzündliche Veränderungen (nächster Abstrich in 1 Jahr)
  • pap III: Stärkere entzündliche oder degenerative Veränderungen; Wiederholung des Abstrichs in 3 Monaten
  • Pap III D (für Dysplasie): kann die Vorstufe eines bösartigen Tumors sein; engmaschige Wiederholung alle 3 Monate. Besteht der Befund über zwölf Monate fort, sollte eine histologische Sicherung erfolgen (Konisation
  • Pap IV: Krebserkrankung möglich, histologische Sicherung (Biopsie oder Konisation)
  • pap V: Tumorzellen, d.h. es besteht Verdacht auf Gebrämutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
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Vaginale Tastuntersuchung

Bei der bimanuellen Tastuntersuchung werden 1 bis 2 Finger in die Vagina eingeführt und die Portio etwas nach oben gehoben während die andere Hand die Oberkante des Uterus (Fundus) von der Bauchseite aus tastet. Dadurch ist die Beurteilung von Lage, Form, Größe und Beweglichkeit von Portio und Uterus möglich.

Zur Beurteilung der Adnexregion versucht man, mit der äußeren Hand vom Abdomen her und mit der inneren Hand über das seitliche Scheidengewölbe die Ovarien zu erreichen. Dabei werden Größe, Form, Druckschmerzhaftigkeit und Beweglichkeit beurteilt.

Manchmal erfolgt noch eine rektale bzw. rektovaginale (Zeigefinger von vaginal, Mittelfinger von rektal) Untersuchung zur Beurteilung der Rektumschleimhaut, der Parametrien und des Douglas-Raums.

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Ultraschalluntersuchung

Zur Beurteilung des inneren Genitales wird ein transvaginaler Ultraschall (durch die Scheide) durchgeführt. Bei gut gefüllter Harnblase ist dies auch von abdominal (durch die Bauchdecke) möglich (z.B. bei Kindern).

Im Normalfall lassen sich Uterus und Endometrium gut abzugrenzen. Das Endometrium stellt sich je nach Zyklus- und Lebensphase der Frau unterschiedlich hoch aufgebaut dar. Die Eierstöcke sind bei der geschlechtsreifen Frau etwa pflaumengroß und können je nach Zyklusphase unterschiedlich große Follikelzysten aufweisen. Die Eileiter sind im Normalfall im Ultraschall nicht darstellbar (s. Abbildung- bitte mit Cursor über die Bilder gehen).